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Prof. Dr. Thom^'s

Flora Yon Deutschland

Österreich und der Schweiz

in Wort und Bild

für Schule und Haus.

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Band IL ^*^»^''««

Mit 160 Tafeln in Farbendruck nach. Originalzeichniingen von Walter Müller in Gera.

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Gera-Untermhaus.

Verlag von Fr, Eugen Köhler. 1886.

DUPLICATA DE LA BIBLIOTHEQUE

DU CONSERVATOIRE BOTANIQUE DE GENEVE

VENDU EN 1922

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Alle Rechte vorbehalten.

Inhaltsverzeichnis.

Seite

Dikotylen 1

1. Klasse: Choripetalae. Getrenntblätterige Dikot\"len 2

1. Reihe: Juliflorae, Kätzchenblütler 3

1. Ordnung: Amentaceae, Kätzchenträger 3

34. Familie: Cupuliferae, Xäpfchenfnichtler 3

35. Corylaceae, Haselnussgewächse 8

36. Betulaceae, Birkengewächse 10

37. Juglandaceae, Walnussgewächse 12

38. Myricaceae, Gagelgewächse 13

39. Salicaceae, Weidengewächse 14

2. Ordniing: Urticinae, Nesselgewächse 29

40. Familie: Urticaceae, Brennnesselgewächse 30

41. Moraceae, Manlbeergewächse 32

42. Artocarpaceae, Brotfruchtgewäch. e 32

43. Cannabinaceae. Hanfgewächse 38

44. Ulmaceae, ülmengewächse 34

45. Platanaceae, Platanengewächse 36

46. Ceratophyllaceae, Hornblattgewächse 36

2. Reihe: Centrospermae, Mittensamige 37

1. Ordnung: Polygoninae, Knöterichgewächse 37

47. Familie: Polygonaceae, Knöterichgewächse 38

2. Ordnung: Oleracinae, Spinatartige 45

48. Familie: Chenopadiaceae, Gänsefussgewächse 45

49. Amarantaceae, Amarantgewächse 56

3. Ordnung: Caryophyllinae, Nelkenartige 58

50. Familie: Phji;olaccaceae, Kermesbeerengewächse 58

51. Scleranthaceae, Knauelge wachse 59

52. Paronychiaceae, Paronychiengewächse 59

53. Silenaceae, Leimkrautgewächse 63

54. Alsinaceae, Miergewächse 79

55. Portulacaceae, Portulakgewächse 92

IV

Seil.'

S. Rpi'ho: AT'ti.in'fv'lir.ie. S|)iralblliti>fe 94

1. Ordnung: PoljTarjiicae. Vielfrürht.ige 94

56. Familie: Lauraoeac. I^orbergcwächf«' 95

57. .. Ber])eridacoa<'. Berb«ritz«ngcwächse 96

58. Ranunrulacpac. IlanunkclgewärliHe 07

59. .. Nymphaeaceae, Seero.sengewächse 126

2. Ordnung; Rhoeadinac. Mohn))flanzen 127

60. Familie: Pajiaveraceae, Papavergewärhse 128

61. Fumariacea^, Erdrauchgewächse 131

62. .. Capparidaceaf, Kappernge wachse 136

63. ., Cruciferae. Kreuzblütler 137

3. Ordnung: Cistiflorae, Cistblütler 197

64. Familie: Violaceae, Veilchengewach.se 198

65. Resedaceae, Resedengewächse 208

66. Cistaceae, Sonnenrosengewächse 210

67. Tamaricaceae, Tamariskenge wachse 213

68. Elatinac«ae, Tännelgewächse 213

69. Droseraceae, Sonnentaugewächse 214

70. Hypericaceae, Hartheugewächse 216

4. Ordnung: Columniferae, Säulenfrüchtige 220

71. Familie: Malvaceae, Malvengewächse 221

72. Tiliaceae, Lindengewächse 226

Register 229

Verbesserungen.

Tafel 164. An das nur im Umrias gezeichnete Blatt iit 9, anstatt 7, zu tetzen. Tat 165. An das nur im Umriw gez. Blatt ist 9, anstatt c, zu setzen. Taf. 194 lies: la, Ib, 2, 3, 4, anstatt I, 3, 3, 4, 5. Taf. 284 lies: XV, 1, anstatt XV, 2. Taf 286, 287, 288, 289 lies: XV, 2, anstatt XV, 1. - Seite 49 Zelle 9 v.u. lies: ambrosioldes, anstatt ambrosoldes. S. 61 letzte Z. füge hinzu: 7 desgl. durchschnitten; lies: 1 bis 7, anstatt 1 bis 6. 8. 64 Z. 14 v. o. lies: 5 Narben, anstatt 3 Narben. S.64 Z. B v. u. füge nach Agrostemma hinzu: Githago. S. 65 Z. 12 v. u. lies: 7, anstatt 8. S. 66 Z. 10 u. 19 v. o., sowie Taf. 208 lies: Melandrium, anstatt Melandryum. 8. 73 Z. 2 v. u. lies: D. barbatus, anstatt C. barbatus. S. 81 Z. 13 v. u. lies : Saglna nodosa, anstatt S. nodosa. 8. 86 Z. 1 v. u. füge hinzu: 7 Same. 8. 115 Z. 1 v. u. ist nach 4 hinzuzufügen : Frucht; C. S. 120 Z. 12 v. u. lies: Schwarze, anstatt Schwarzer. S. 120 Z. 6 v. u. lies: Grüne, anstatt Grüner. S. 122 Z. 6 v. o. lies: atrata, anstatt atrasa. S.122 Z. 8 v. o. füge hinzu: und Baierns. 8. 127 Z. 3 V. u. lies: 3 Blätter, anstatt 3 Blüte. S. 206 letzte Z. lies: 1, anstatt 3.

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^*-*'^an*Cä4,

Dikotylen, zweisamenlappige oder zweikeimblätterige Samenpflanzen, Dicotyledones, Dicotyledoneae.

Der Keimling der Dikotylen hat fast immer zwei, einander gegenüber- stehende Samenlappen; in den Blütenkreisen herrscht die Zahl fünf, seltener vier vor; die Blätter sind nicht parallelnervig.

Hierher gehört die weitaus grösste Menge der Blütenpflanzen, und wenn auch die angegebenen Merkmale (zu denen noch einige, hier nicht zu be- sprechende, den inneren Bau betreffende, hinzukommen) nicht immer zu einer Bestimmung ausreichen, so sind doch die übrigen Pflanzen, wie ein Blick auf unsere Figuren zeigt, durch ihre äussere Erscheinung meist so aus- gezeichnet, dass sie leicht als nicht zu den Dikotylen gehörig erkannt werden.

Die Dikotylen zerfallen in zwei Klassen:

1. Klasse: Getrennt- oder freiblätterige Dikotylen, Chori- oder Polypetalae. Einige haben keine Blumenkrone; die Blumenkron- blätter der übrigen sind getrennt oder frei, das heisst, nicht miteinander verwachsen.

2. Klasse: Verwachsenblätterige Dikotylen, Sympetalae, Mono- oder Gamopetalae. Ihre ßlumenkronblätter sind untereinander verwachsen und bilden an ihrem Grunde eine kürzere oder längere Röhre.

Diese Einteilung lässt sich indes nicht streng durchführen, vielmehr zählen folgende deutsche Gattungen ganz oder zum Teil zu den Getrennt- blätterigen, obgleich ihre Blumenkronblätter mehr oder mmder miteinander verwachsen sind: Althaea, Corydalis, Delphinium, Fumaria, Hex, Lavatera, Malva, Polygala, Portulaca, Vitis; während hinwiederum die mit getrennt- es! blätteriger Blumenkrone versehenen Ledum, Monotropa, Ornus, sowie die '^ blumenkronlosen Fraxinus , Glaux und Xantliium bei den Verwachsenblätte- f rigen ihre nächsten Verwandten und Stelle haben. Dazu kommt dann noch, ,. dass einige Pflanzen bald mit, bald ohne Blumenkrone gefunden werden, _D was natürlich nicht hindern darf, sie dort einzureihen, wo die blumenkron- "^ tragenden Pflanzen hingehören, so Cardamine impatiens, Capsella bursa pastoris, Sagina procumbens u. a.

Thome, Flora. U. ' 1

2

1. Klasse. Getrennt- oder freiblätterige Dikotylen, Chori- oder Polypetalae.

Die getrenntl)lätterigen Dikotylon zerfallen in 7 Reihen mit zusannnen 26 Ordnungen. Di»' Hanjitmerkniale der Reihen sind durch deren Namen ausgedrückt; es giebt jedoch auch hier, namentlich aber bei den Ordnungen, zahlreiche Ausnahmen von der durch die allgemeine Charakteristik gekenn- zeichneten Gestaltung, so dass zur Bestimmung der Gattungen mitunter, A.enn die Familie nicht erkannt wird, auf die dem Bande I. beizugebende, nach dem Linneschen System eingerichtete Tal)elle zurückgegriffen werden muss.

A. Blüten ganz ohne Blütenhülle, oder mit einfacher, indes nie blumenkron- artiger Blutenhülle.

1. Blüten klein und unscheinbar, an kätzchen-, kolben- oder knäuelähn- lichen Blütenständen. 1. Reihe: Jiiliflorae, Kätzchenblütler.

2. Blüten mit vielfach ansehnlichen Hüllen und nicht zu kätzchen-, kolben- oder knäuelähnlichen Blutenständen vereinigt; meist Schmarotzerpflanzen. 7. Reihe: MonocMamydae, Perigonblütige.

B. Blüten mit Kelch und Blumenkrone; nur selten mit einer einfachen Blutenhülle.

I. Fruchtknoten oberständig.

1. Fruchtknoten meist dreifächerig; in jedem Fache je eine oder zwei, gegenläufige, hängende Samenknospen; häufig mit einfacher Blüten- hülle. 5. Reihe: Tricoccae, Dreiknöpflge.

2. Fruchtknoten mit einer grmidständigen Samenknospe, oder mit einem mittelständigen Samenträger; der Keim ist gekrümmt und liegt an der Aussenseite des Sameneiweisses. 2. Reihe: Centrospermae, Mittensamige.

3. Fruchtknoten anders gebaut.

u. Blüte in der Regel aus lauter gleichzähligen, abwechselnd stehenden Blattkreisen aufgebaut; Staubblätter meist in 2 Kreisen. 4. Reihe: Eucyclicae, Kreisblütige.

/9. Blütenteile alle oder zum Teil in Spii'alen oder in Kreisen an- geordnet; in letzterem Falle sind aber die Staubblätter durch Verzweigung oder Verdoppelung vermehrt, so dass die Anordnung im Kreise mehr oder Aveuiger verwischt ist. Kelch und Blumen- krone sind nicht immer deutlich unterschieden. 3. Reihe: Apha- nocyclicae, Spiralblütige. n. Fruchtknoten mittel- oder unterständig; Blütenteile in Kreisen an- geordnet, 6. Reihe: Caliciflorae, Kelchbliitige.

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O

1. Reihe: Juliflorae, Kätzehenblütler.

Kennzeichen siehe vorhin ; hierher 2 Ordnungen :

1. Blütenhülle fehlt, oder klein, unansehnlich und meist schlauchförmig; Blüten eingeschlechtlich, Staubblüten stets, Stempelblüten vielfach in Kätzchen; Fruchtknoten zwei- und mehrfächerig mit mittelständigem Samenträger, oder einfächerig mit vielen Samenknospen (bei Myrica und Juglans einföcherig mit einer Samenknospe). Same ohne Eiweiss. 1. Ordnung: Amentaceae, Kätzchenträger.

2. Blütenhülle mehr entwickelt, meist aus 4 bis 6 schuppenartigen Blättchen bestehend; Fruchtknoten einfächerig und mit einer Samenknospe (bei Ulmus zuweilen zweifächerig). Same meist mit Eiweiss. 2. Ordnung: Urticinae, Nesselgewächse.

1. Ordnung: Amentaceae, Kätzchenträger.

Kennzeichen siehe vorhin. Hierher gehören 0 Familien:

A. Einhäusige Pflanzen.

«. Die Frucht, eine gewöhnlich einsamige Nuss, sitzt in einem Frucht- becher, der sie an ilu-em Grunde umgiebt oder ganz umschliesst.

1. Fruchtknoten drei- und mehrfächerig; der Fruchtbecher hat nicht ein blattartiges Aeussere (Tafel 159—161). 34. Familie: Cupuli- ferae, Näpfchenfruclitler.

2. Fruchtknoten zweifächerig; der Fruchtbecher entsteht durch Ver- wachsen der die Blüte stützenden Blätter (1 Deckblatt und 2 Vor- blätter) und behält auch bei seiner Reife ein blattartiges Aeussere (Tafel 162—163). 35. Familie: Corylaceae, Haselnussgewächse.

ß. Die Frucht besitzt keinen Fruchtbecher.

1. Blätter einfach; alle Blüten in Kätzchen; Fruchtknoten zwei- fächerig (Tafel 164, 165). 36. Familie: Betulaceae, Birkengewächse.

2. Blätter gefiedert; männliche Blüten in Kätzchen, weibliche einzeln oder zu mehreren zusammenstehend ; Fruchtknoten einfächerig (Tafel 166). 37. Familie: Juglandaceae, Walnussgewächse.'

B. Zweihäusige Pflanzen; Fruchtknoten einfächerig.

1. Frucht eine einsamige Steinfrucht (Tafel 167). 38. Familie: Myri- caceae, Gagelgewächse.

2. Frucht eine vielsamige Kapsel, welche bei der Reife von oben nach unten in zwei Hälften zerreisst (Tafel 168 178). 39. Familie: Salicaceae, Weidengewächse.

34. Familie; Cupuliferae, Näpfchenfruclitler.

Bäume oder Sträucher mit abwechselnd stehenden, einfachen Blättern und hinfälligen Nebenblättern. Die Blüten sind einhäusig. Die männlichen

4

Blüteu stehen in Kätzclien beisammen; sie besitzen keine oder eine \äer- bis fünfspaltige Blütenhülle und 5 bis 10 dieser Hülle oder den Deck- blättern eingefügte Staubblätter (Tafel IGO. Fig. 1, 2), Die weiblichen Blüten stehen einzeln oder in geringer Zahl gehäuft oder ährenförniig; ilire Blütenhülle ist oberständig mit meist sechszähnigem, oft fast verschwindendem Saume (Tafel 161, Fig. 5). Der Fruchtknoten hat 3 bis 8 Narben, 3 bis 6 (in der Regel 3) Fächer und in jedem derselben 1 bis 2 hängende Samen- knospen (Tafel 159. Fig. 5) Die Frucht, eine nussartige Schliessfrucht , ist durch Fehlschlagen gewöhnlich einfächerig und einsamig; sie ist an ihrem Grunde von einem nicht blattartigen Fruchtbecher (cupula) umgeben, wie bei der Eiche, oder ganz darin eingeschlossen, wie bei Kastanie und Buche. Die Samen sind eiweisslos, besitzen einen grossen Keimling und dicke, fleischige Samenlappen.

Gattungen.

A. Der Fruchtbecher schliesst die Frucht völlig ein und springt bei der Reife kapselartig auf; er ist dicht mit Stacheln besetzt.

1. Die weiblichen Blüten stehen am Grunde der männlichen Kätzchen; der Fruchtknoten hat 5 bis 8 Narben; die Nüsse sind abgerundet (Tafel 159). Gattung 196: Castaiiea, Kastanie.

2. Die w^eiblichen Blüten stehen von den männlichen getrennt auf be- besonderem Stiele; der Fruchtknoten hat 2 bis 3 Narben; die Nüsse sind scharf dreikantig (Tafel 160). Gattung 197: Fagiis, Buche.

B. Der Fruchtbecher umschliesst die Frucht nur an ihrem Grunde; die weib- lichen Blüten stehen auf besonderem Stiel; der Fruchtknoten hat 2 bis 3 Narben; die Früchte (Eicheln) sind mehr oder weniger ei- walzenförmig (Tafel 161). Gattung 198: Queroiis, Eiche.

Gattung 196: Castanea Tournefort. Kastanie, Marone. XXI. 5.

Hierher nur Castaiiea vulgaris Lamarck (C. vesca Gärtner), die Ess- bare oder Zahme Kastanie, Edelkastanie, Marone (Tafel 159). Blätter länglich-lanzettlich, zugespitzt, stachelspitzig-gesägt, auf der Oberseite glänzend grün. Männliche Blüten mit fünf- bis sechsspaltiger Hülle und 12 Staub- blättern; weibliche (mit 5 bis 8 Narben) zu mehreren in einer borsten- tragenden, zum vierlappigen, stacheligen Fruchtbecher auswaclisendeu Hülle (Fig. 6). Blütezeit Mai, Juni. Hochwüchsiger Baum, der in Süd- und Mittel- deutschland eine Höhe von 25 und mehr Meter erreicht, etwa bis Mosel und Main vielfach, weiter nördlich mehr vereinzelt als Obstbaum angebaut Avird, auch vielfach verwildert und dann oft strauchartig ist.

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5

Tafel 159. Castanea vulgaris. A. Blühender Zweig: 1 Zipfel der männlichen Blütenhülle; 2 männliche Blüte; 3 Staubbeutel; 4 desgl. der Quere nach durchschnitten; 5 drei weibliche Blüten in der durchgeschnittenen Anlage des Fnichtbechers , 2 Blüten sind ebenfalls durchschnitten; 6 Früchte vom Fnichtbecher umhüllt; 7 Frucht. 1 bis 5 vergrüssert.

Gattung 197: Fagus Tournefort, Buche. XXI. 5.

Hierher nur Fagus silvatica L , IJiiclie, Rotbuche. Schöner Baum von oft 30 und mehr Meter Hölie. Blätter eifönuig, schwach buchtig-gezähnt, am Rande gewimpert, sonst kahl, glatt, glänzend. Die männlichen Blüten sind zu etwa 10 bi.s 12 in ktnggestielten, kugeligen Kätzchen vereint; jede besteht aas einer glockenförmigen, weich seidenhaarigen Hülle und 10 bis 12 Staubblättern. Die \veiblichen Blüten stehen zu 2 (seltener zu 3) in einer gemeinsamen, mit weichen, seidenhaarigen Stacheln bedeckten, vier- teihgen Hülle; jede besteht aus einem dreifächerigen, von der mehrteiligen Blütenhülle gekrönten Stempel mit 3 fadenförmigen Narl)en. Nüsse scharf dreikantig. Blütezeit April, Mai. Die Buche tritt in Deutschland insel- artig verteilt auf; zumeist als Gebirg.sbaum, dann aber auch in den Küsten- strichen Norddeutschlands und auf den Ostseeinselu (Rügen). Die Insel- buche" unterscheidet sich von der „Gebirgsbuche" durch einen niedrigeren, gedrungeneren Wuchs, kürzeren und dickeren Stamm, endlich eine tiefer hinabreichende Krone. Beide bilden für sich allein oder mit Tanne und Fichte Wälder. Das wertvolle Holz ist gesucht, aus den Früchten, Buch- eckern, kann ein wohlschmeckendes Ol gewonnen w^erden.*)

Ihre Abänderungen, die Blutbuche mit dunkel-purpunien Blättern und die Gesclilitzt-blätterige Buche sind beliebte Zierbäume.

Tafel 160. Fagus silvatica. A blühender, B fruchtender Zweig: 1 männliche Blüte, 2 dieselbe im Längsschnitt; o Staubblatt: 4 weibhche Blüte; 5 Buchecker, 6 Querschnitt, 7 Kern derselben. 1 bis 4 vergrö.ssert.

*) Es dürfte angemessen sein, hier darauf aufmerksam zu machen, dass in Deutsch- land von den Laubhölzern die Buche und nicht die Eiche die grösste Verbreitung hat. Ungefähr V4 Deutschlands, genauer 2-5,26''/o seiner Gesamtfläche, ist beforstet: hier- von entfallen auf den Hochwald etwas über 21V2"/o. ^^^ ^^^ Niederwald 20/o, endlich auf Mittelwald 1V2%- Der Hochwald muss wieder in Laubholz- und Nadelholzwald geschieden werden; auf ersteren kommen 6, auf letzteren 15V-2*'/o- I^ie einzelnen Baum- arten beteiligen sich hieran in folgender Weise: Kiefer 9i'4% (über 5 Mllionen Hektar). Fichte und Tanne ö^U^lo, Buche und sonst nicht genannte Laubhölzer 41/0%, Eiche 1%, Birke, Erle und Espe 1/2*^/0' Lärche Vo^/'o (60000 Hektar). Man kann Deutschland in 3 Laubholz- und 1 Nadelholzprovinz zerfallen; in jeder finden sich alle deutschen Baum- gattungen, die najuengebenden herrschen indes vor. Der Regierungsbezirk Stralsund (mit Rügen) bildet die erste, Schleswig-Holstein, Lübeck und Hamburg die zweite der beiden nördlichen Laubholzprovinzen. Die Westlau bholz provinz zer.

6

Gattung 198: Quercus L., Eiche. XXI. 5.

Die miinnlichen Blüten bestehen aus 5 bis 9 Staubblättern und einer ebenfalls 5- bis 9 teiligen Blütenhülle (Tafel 161, Fig. 1, 2), die weiblichen hingegen aus einem dreifächerigen, mit dreilappigem Griffel gekrönten Frucht- knoten und einer oberständigen, häufig krugförniigen, 3- bis 8 lappigen oder nur undeutlich gezähnten Blütenhülle (Tafel 161, Fig. 5). Der Fruchtbecher ist zur Zeit der Blüte noch klein und trägt erst wenige, später um so zahl- reichere Schüppchen.

A. Sommergrüne Eichen; Blätter buchtig, mitunter fast fiederspaltig-buchtig.

a. Die Schuppen des Frachtbechers sind angedrückt, nicht abstehend- fadenförmig verlängert. Die männlichen Blüten stehen in schlaffen Kätzchen und erscheinen in Seitenknospen vorigjähriger Sprosse; die Aveiblichen Blüten stehen hingegen einzeln oder büschelig gehäuft an der Spitze der jungen Maitriebe (Tafel 161 A). Die Blätter sind immer buchtig, jedoch je nach Alter und Standort sehr verschieden gestaltet. Q. robur L., mit 3, meist als besondere Arten angesehenen Abände-

nmgen.

1. Blätter kurzgestielt, fast sitzend, beiderseits kahl; weibliche Blüten- kätzchen und Früchte langgestielt. Blütezeit Mai, Juni (Tafel 161). Q. pedunculata Ehr hart, Stiel- oder Sommereiche.*)

2. Blätter langgestielt, auf der Unterseite im Frühjahre weichhaarig, später mit kurzen, straffanliegenden Härchen; weibliche Blüten- kätzchen und Früchte kurz gestielt. Blüht etwa 14 Tage später als die vorige. Q. sessiliflora Smith, Trauben- oder Wintereiche.

fällt in 4 Gebiete. Der Regierungsbezirk Minden, die südliche Hälfte Hannovers, Braunscbweig, Lippe, Waldeck, Hessen-Nassau, Oberhessen und Unterfranken bilden das eigentliche Buchenwaldgebiet. Im Nordvvestgebiete, den Regierungs- bezirken Münster und Düsseldorf halten sich Laubholz und Nadelholz, sowie auch Eichen uud Buchen ungefähr das Gleichgewicht; der Rest Westfalens und der Rhein- provinz ist als Laubholzniederwaldgebiet gekennzeichnet, während sich das Oberrheinische Gebiet, die Pfalz, Starkenburg, Mannheim, Neckarkreis und Elsass- Lothringen als ein Mittelwaldgebiet mit vorherrschenden Laubhölzern darstellt. Auch die Nadelholzprovinz zerfällt, je nach dem Vorherrschen der Fichte und Tanne oder der Kiefer in mehrere Gebiete ; meist überwiegt die letztere, Fichte und Tanne dagegen in Thüringen, so-^vne in den Königreichen Sachsen, Baiern und Würtemberg.

*) Tafel 161. Quercus pedunculata. A blühender, B fi'uchtender Zweig; bei A ist der zu oberst, nach links, stehende Blütenstand ein weiblicher, die anderen sind männlich. 1 Teil eines männlichen Blütenstandes mit 2 Blüten; 2 männliche Blütenhülle; 3a vmd 3b Staubbeutel; 4 desgleichen der Quere nach durchschnitten; 5 weibliche Blüte; 6 Eichel; 7 dieselbe der Quere nach durch- schnitten. 1 bis 5 vergrössert.

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3. Blätter langgestielt, im Frühjahre filzig, später auf der Unterseite weichhaarig oder zuletzt fast kahl; weibKche Blütenkätzchen und Früchte kurzgestielt. Blütezeit Ende April, Anfang Mai. Q. pubes- cens Willdenow, Weichhaarige oder Französische Eiche.

Die Weichhaarige Eiche findet sich in Süddeutschlaud, bis in die Rheingegenden, Thüringen und Böhmen (woselbst sie oft nm- strauchartig ist); weiter nördlich, bis Hannover und Danzig, und östlich, wohl durch ganz Deutschland, geht die Traubeneiche, während sich die Stieleiche durch fast ganz Europa verbreitet und speziell in Deutschland die weitaus häufigste Eiche ist. Stiel- und Traubeneiche sind für uns ausserordentlich Avichtige, oft ganze Bestände bildende Waldbäume. Neben ihrem wertvollen Holze liefern sie Eicheln als Mastfutter für Schweine und zu Eichel- kaflee; die Binde junger Stämmchen und Zweige dient als Lohe in der Ledergerberei; die 1 bis 2 Millimeter dicke, im Frühjahre gesammelte Rinde ist offizineil; dahingegen sind die durch die zahlreichen, aut der Eiche lebenden Gallwespen hervorgerufenen Gallen im allgemeinen ohne Bedeutung, imr die durch den Stich von Cynips calicis in die junge Frucht der Traubeneiche hervor- gerufenen, in der Gerberei benutzten Gallen, die Knoppern, bilden einen bedeutenderen Handelsartikel.

b. Die Schuppen des Frnchtbechers sind abstehend - fadenförmig ver- längert. — Früchte meist einzeln an kurzen Stielen. Blätter flaumig, rückseits graufilzig. Ln Süden des Gebietes. Pflanzengeographische Charaktei-pflanze Ungarns. Q. Cerris L., Zerr- oder Österreichische Eiche.

B. Immergrüne Eichen; Blätter eiförmig, länglich oder breit lanzettlich, nicht buchtig.

a. Blätter mit langdornig-gezähntem Rande, in ausgewachsenem Zustande beiderseits kahl. Blütezeit Mai; die Eicheln reifen erst im zweiten Jahre. Q. coccifera L., Scharlacheiche.

b. Blattrand ganzrandig oder stachelspitzig gesägt aber nicht dornig- gezähnt; Blattunterseite mit grauem Flaum oder Filz bedeckt.

1. Rinde dick, rissig, korkig; die weiblichen Blüten stehen auf langem gemeinsamen Stiele. Blütezeit Mai. Q. suber L., Korkeiche.

2. Rinde glatt; die weiblichen Blüten stehen einzeln; Blütezeit Mai. Q. Hex L., Steineiche.

Die immergrünen Eichen sind für Deutschland ohne besondere Bedeutung, da sie eigentlich Südeuropa angehören und nur in Istrien vorkommen; ausser

8

dort findet sich die Steineiche noch in Südtirol und der Südschweiz. Die Rinde der Korkeiche bildet den Kork. Auf der Scharlacheiche lebt die Kermeschildlaus, Lecaniuni ilicis, deren Weibchen einen roten Farbstoff ent- halten, daher gesammelt und, als Ersatz der Cochenille, in den Handel gebracht werden.

S'). Fiunilio: Corjiacoae, IIiiselimssge>väclise.

Die Haselnnss- oder Hainbuchengewächse (Cariiinaceae) nähern sich einerseits den Näpfchenfruchtleren , andrerseits den später zu besprechenden Birkengewächsen so sehr, dass ein allmählicher Übergang zwischen diesen 3, daher auch wohl zu einer einzigen Familie (Cupuliferae im weiteren Sinne) zusammengefassten Familien stattfindet. Von ersteren unterscheiden sie sich durch die Zahl der Fruchtknotenfächer, sowie durch das blattartige Aussehen der Fruchthülle (Tafel 162 B, 163 C), von letzteren durch den Besitz der Fruchthülle und die unvollkommene Ausbildung ihrer Blütenhülle. Ihre männlichen Blüten bestehen aus 3 oder mehr der Deckschuppe angewach- senen Staubblättern, deren Staubbeutel zweiteilig, mit an der Spitze einen kleinen Haarschopf tragenden Hälften sind (Tafel 162, 3). Die weibliche Blüte entbehrt ebenfalls der Hülle (Tafel 163, 4). Der Fruchtknoten ist zweifächerig mid trägt zwei Narben. Die Fracht ist eine durch Fehlschlagen einfächerige, meist einsamige (seltner zweisamige: „Vielliebchen"), von einer Fruchthülle gestützte Nuss. Die Hülle entsteht durch Verwachsung des die Blüte stützenden Deckblattes mit den beiden darunter stehenden Vorblättem (letztere werden mitunter als Kelch und Blütenhülle gedeutet).

Gattungen:

1. Die Hülle der reifen Frucht gleicht einem flachen Laubblatte (Tafel 162). Gattung 199: Carpiiius, Hainbuche.

2. Die Fruchthülle ist glocken- oder röhrenförmig, mit in imregelmässige Lappen zerschlitztem Rande (Tafel 163). Gattung 200: Corylus, Haselnuss.

3. Die Hülle der reifen Frucht ist häutig, krugförmig; der ganze Frucht- .stand gleicht einem Hoj)fenzapfen. Gattung 201: Ostrya, Hopfenbuche.

■* . Gattung 198: Carpinus L., Hainbuche. XXL 5.

1. Fruchthülle dreiteilig mit grossem Mittellappen und 2 kleinen Seiten- lappeu (Tafel 162, Fig. 5). Blätter eiförmig-länglich, zugespitzt, doppelt- gesägt, kahl, faltig. Blütezeit April, Mai. Mittelgrosser Baum, von selten 20 Meter Höhe, der im allgemeinen der Buche gleicht und sich einzeln oder horstweise in Laub- und Nadelwäldern ganz Deutschlands

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eingesprengt findet. Das harte Holz ist geschätzt, C. Betiihis L., Hain-, Ham- oder Weissbuche, Hombaum.*)

2. Fmchthülle ungeteilt, eiförmig. Blätter wie die der vorigen, doch kleiner. In Südtirol, Krain und Istrien. C. Duiuensis Scopoli, Orientalische Hainbuche.

Gattung 200: Corylus T... Haselstrauch. XXI. 5.

A. Die Frucht hat eine doppelte Fruchthülle; die äussere ist sehr kurz, die innere länger als die Nuss und in zahlreiche, meist schmale Bänder zer- schlitzt. — Blätter kreisrund-eiförmig, doppelt gesägt. Blütezeit April, Mai. In Niederösterreich vielleicht wild; zuweilen angepflanzt und dann meist strauchartig, obgleich in der Türkei Bäume von 60 Centimeter Stammdurchmesser bildend. C. Colunia L., Türkische Haselnuss.

B. Die Frucht hat nur eine einfache Fruchthülle.

1. Fruchthülle glockig, oben offen, sodass die Nuss sichtbar ist. Hochwüchsiger Strauch mit geraden, rntenförmigen Schösslingen und glatter, an den jüngeren Zweigen drüsenhaariger Rinde. Blätter rund- lich, herzförmig, etwas zugespitzt und beiderseits mit kurzen Haaren bedeckt. Blütezeit Januar bis März. Als Unterholz in Hecken und Gebüschen durch das ganze Gebiet häufig, auch der wohlschmeckenden, ölhaltigen Nüsse halber vielfach angebaut. Der Wurm in der Nuss ist die Larve eines Rüsselkäfers (Balaninus nucum). C. Avellana L., (nlemeine Hasel, Haselnuss, Haselstrauch.**)

2. Fruchthülle röhrenförmig, über der Spitze der Nuss verengt, so dass die Nuss nicht sichtbar ist; im übrigen der vorigen sehr ähnlich. Blütezeit Januar bis März. Istrien; zuweilen angepflanzt. C. tubulosa Willdenow, Lampertsnuss.

Gattung 201: Ostrya Micheli, Hopfenbuche. XXI. 5.

Hierher nur Ostrya carpiuifolia Scopoli, die Gemeine Hopfenbuche,

ein in Wuchs und Belaubung der Hainbuche sehr ähnlicher, massig grosser

*) Tafel 162. Carpinus Betulus. A blühender Zweig mit 2 männlichen und 1 weiblichen Kätzchen; B Fruchtzweig; 1 männliche Blüte von vorne; 2 dieselbe von der Seite; 3 aufgesprungenes, zweiteiliges Staubgefäss; 4 weib- liche Blüte; 5 Frucht mit ihrem Fruchtbecher; 6 Same. 1, 2, 3 vergrössert.

**) Tafel 163. Corylus Avellana. A blühender Zweig; B Laubzweig; C Früchte in ihren Fruchtbechern; 1 männliche Blüte mit ihrer Deckschuppe von der Seite; 2 dieselbe von vorne gesehen; 3 die Staubbeutel mit nach unten gerichtetem Haarschopfe; 4 weibhche Blüte; 5 Nuss; 6 dieselbe halbiert. 1 bis 4 vergrössert.

Thom6, Flora. U. 2

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Baum. Besonders cliarakteristisch sind die Fruchtzapfen, welche viele Ähn- lichkeit mit den Zapfen des Hopfens haben. Blütezeit April, Mai. Im Süden des Gebietes wild; in Mitteldeutschland zuw^ eilen angepflanzt.

36. Familie: IJelnlaceae, IJirkeiijj'ewäclise.

Bäume oder Sträucher mit abwechselnden, einfachen Blättern und freien, hinfälligen Nebenblättchen. Ihre einhäusigen Blüten finden sich gestützt von schuppenfüiTuigen Deckblättern in Kätzchen (Tafel 165 A). Die männlichen Blüten stehen zu je 3 in der Achsel eines grossen Deckblattes (Tafel 165, Fig. 1 u. 2); bei den Birken besteht jede aus einer kleinen zweispaltigen, dünnhäutigen, bei den Erlen aus einer vierspaltigen Hülle, vor deren Zipfeln die Staubblätter stehen (Tafel 164, Fig. 1 u. 2; Tafel 165, Fig. 2). Die weib- lichen Blüten sitzen ebenfalls zu mehreren (2 bis 3) in der Achsel eines Deckblattes (Tafel 164, Fig. 5 u. 6), bestehen aber nur aus je einem freien Fruchtknoten, mit 2 Fächern und je einer hängenden Samenknospe (Tafel 165, Fig. 6). Die Früchte sind kleine, geflügelte oder ungeflügelte Nüsse (Tafel 164, Fig. 7) mit eiw eisslosen Samen.

Gattungen:

1. Die weiblichen Kätzchen stehen einzeln; die Schuppen der reifen Frucht- kätzchen fallen ab; die Nuss ist geflügelt (Tafel 164). Gattung 202: Betnia L., Birke.

2. Mehrere weibliche Kätzchen stehen in einem ähren- oder traubeuförmiffen Blütenstande vereint; die Schuppen der reifen Fruchtkätzchen fallen nicht ab; die Nuss ist ungeflügelt, nur bei Alnus viridis schwach geflügelt (Tafel 165). Gattung 203: Alnus Tournefort, Erle.

Gattung 202: Betula L., Birke. XXI. .5.

A. Blätter auf der Unterseite mit netzartig verzweigten, stark vorspringenden Adern dicht überzogen; meist Sträucher, seltener Bäume.

1. Blätter fast sitzend, breiter als lang, rundlich mit stumpfen Ein- buchtungen zwischen den Zähnen ihres Randes. Blütezeit Mai. In Mooren der Hochgebirge. B. nana L., Zwergbirke.

2. Blätter kurz gestielt, rundlich eiförmig, mit spitzen Einbuchtungen zwischen den Zähnen ihres Randes. Blütezeit April, Mai. In Torf- mooren Norddeutschlands. B. hnmilis Schrank, Strauchbirke.

B. Blätter auf der Unterseite nicht netzaderig; auch springen die Ver- zweigungen der Blattadera auf der Unterseite nur wenig oder gar nicht vor; Wuchs meist baumartig.

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a. Blätter und Zweige sind in ihrer Jugend weichhaarig, später ganz kahl oder auf ihrer Unterseite in den Winkeln der Blattadern bärtig. Die Spitzen der Flügel der Nüsschen reichen nicht bis zu den Spitzen der Narben hinauf. Blütezeit April, Mai. In Torfmooren und feuchten Wäldern Norddeutschlunds und der Gebii-ge, nicht selten. B. pubes- cens Ehrhart, Weichhaai'ige oder Duftende Birke, Haarbirke.

b. Blätter und Zweige sind kahl, nur ganz junge, aus alten Stöcken aus- schlagende Zweige sind behaart. Die Spitzen der Flügel der Nüsschen reichen bis zu den Spitzen der Narben hinauf

1. Die jungen Zweige sind bestreut, ja oft ganz bedeckt mit Warzen von grau- weissem Wachs ; die anfänglich gelbbraune, später glänzend weisse Rinde blättert in papierdünnen Lagen ab, um einer schwärz- lichen Borke zu weichen. Blätter rautenförmig und lang zuge- spitzt. — Blütezeit April, Mai. Horstweise imd einzeln auf trocknem Boden in Laub- und Nadelholzwald, in der Ebene Avie im Gebirge; seltner ganze Wälder bildend. Zumeist von ihr, doch auch von den andern hochwüchsigen Birken gewinnt man ausser dem Holze den Birkenteer. B. verrucosa Ehrhart, Gemeine Weissbirke, Warzenbirke.*)

A'^on ihren zahlreichen Formen sind l)esouders bemerkenswert die „Hän^ebirke" und die Zersohlitztbliitterige Birke.

2. Die Zweige sind nicht mit Wachs warzen bedeckt; die Rinde blättert nicht oder doch nur wenig ab, so dass selbst alte Stämme eine zwar aufgerissene aber mattweisse Rinde haben. Blätter eiförmig. Blütezeit April, Mai. Sie findet sich mehr auf feuchtem Boden, selbst in sumpfigen Erlenbrüchen und bildet nicht selten reine Bestände. In den norddeutschen Ebenen ist sie mehr baumartig, in Mittel- und Süddeutschland dagegen mehr strauchartig. B. albaL., Nordische AVeissbirke, Ruclibirke.

Formenreiche Pflanze, bemerkenswert sind die strauchartige Karpathenbirke (B. carpathica Willdenow) und die ebenfalls strauch- artige, klein- und dunkelblättrige Schwarzbirke (B. sudetica Reichenbach).

*) Tafel 164. Betula verrucosa. A Blütenzweig mit 2 grossen männ- lichen und 2 kleinen weiblichen . Kätzchen ; B Fruchtzweig : 1 drei männliche Blüten, deren jede aus 2 Staubblättern mit gespaltenen Staubbeuteln besteht, in ihrem Deckblatte von der Seite gesehen; 2 dasselbe von vorne; 3 ein Staub- blatt; 4 weibliches Kätzchen; 5 und 6 drei weibliche Blüten in ihrem Deckblatte, von vorn und von der Rückseite aus gesehen; 7 der geflügelte Same; 8 Deck- blatt, von einem reifen Fruchtkätzchen; 9 Blatt der zerschlitztblättrigen Birke. 1 bis 7 vergrössert.

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Gattung 203: Alnus Tournefort. Erle, Eller. XXI. 4.

1. Blätter rundlich mit sehr stumpfer Spitze, auf der Oberseite kahl, unter- seits nur in den Winkeln der Adern rostbraun-bärtig, jung klebrig. Nuss ungeflügelt. Blütezeit Februar, März. Borke alter Stämme sehr dunkel, daher der Name. Li Ebenen und Flussthälern an feuchten Standorten; bildet untermischt mit Zitterpappeln und Birken die Baumflora der nord- deutschen Erlenbrüche. A. glntinosa Gärtner, Wiesenerle, Scliwarzerle.*)

2. Blätter eiförmig, spitz, in der Jugend beiderseits weichhaarig, später ober- seits kahl, unterseits grau und weichhaarig oder fast filzig; Nuss un- geflügelt. — Blütezeit Februar bis April. Rinde glänzend silbergrau, daher der Name. Im Norden heimisch, ist sie durch Samenflug und Kultur durch ganz Mitteleuropa, namentlich in dem Gebirge, verbreitet. Sie liebt mehr einen trocknen Boden und bildet oft hohe Bäume. A. incana De Candolle, Grau- oder Weisserle.

3. Blätter eiförmig, zugespitzt, auf der Oberseite kahl, unterseits auf den Adern kurzhaarig; Nuss geflügelt. Blütezeit Mai, Juni. Strauch; namentlich in den Alpen und Karpathen als wahre Hochgebirgspflanze, selten im Schwarzwald, Böhmer- und Bairischen Wald. A. viridis De Candolle, (irrüiierle.

Ein Bastard zwischen Schwarz- und Grauerle ist die seltene Weich- haarige Erle (A. glutinosa X incana Wirtgen; A. pubescens Tausch), deren Blätter die Form der Schwarzerle mit der Behaarung der Grau- erle verbinden.

37. Familie: Jnglaiidaceae, Walimssgewächse.

Bäume mit unpaarig -gefiederten, nebenblattlosen Blättern. Die Blüten sind einhäusig, die männlichen stehen in vielblütigen Kätzchen am vorjährigen Holze, die weiblichen zu 2 bis 3 beisammen an den jungen Trieben (Tafel 166 A). Die männlichen Blüten bestehen aus einer sechsteiligen Blütenhülle, welche einem schuppenförmigen Deckblatt angewachsen ist und zahlreiche Staub- blätter umfasst (Tafel 166, Fig. 2). Die weibliche Blüte gleicht einem ein- fachen, zweinarbigen Stempel (Tafel 166, Fig. 4); sie besteht aber aus den ringsum mit dem Stempel verwachsenen beiden Blütenhüllen und einem dem

*) Tafel 165. Alnus glutinosa. A blühender Zweig; B Fruchtzweig; C die verholzten, stehen gebliebenen Deckblätter eines entleerten Fruchtzapfens; 1 Kätzchenschuppe mit 3 männlichen Blüten vom Scheitel gesehen; 2 ein solches Blütenknäuel eben ganz von vorne gesehen, sodass die Schuppe verdeckt ist; 3 Staubbeutel; 4 weibliches Kätzchen; 5 Deckblatt eines weiblichen Kätzchens mit 2 Blüten; 6 Längsschnitt durch den Fruchtknoten; 7 Same, natürliche Grösse und vergi-össert ; 8 verholztes Deckblatt eines weiblichen Kätzchens (Zapfens); 9 ausgewachsenes Blatt. 1 bis 8 vergrössert.

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Fruchtknoten bis über die Mitte angewachsenen Deckblatte. Der Frucht- knoten besitzt, wie man an einer reifen Walnuss am besten sehen kann, eine unvollständige, in der Mitte mit rundlichem Ausschnitte versehene Haupt- scheidewand und in seinem Grunde 2 niedrige, sich mit jener kreuzende Scheidewände, sodass er in seinem Grunde unvollkommen vierfächerig, in seiner Spitze unvollkommen zweifächerig ist. Die grosse, kugelige, einer Steinbeere ähnliche Frucht (Tafel 166, Fig. 51) ist eine Scheinfrucht; denn die äussere, grüne, zur Reifezeit unregelmässig aufreissende Schale wird von den beiden fleischig gewordenen Blütenhüllen gebildet, während die heraus- fallende Nuss (Tafel 166, Fig. 6) die eigentliche Frucht ist. Der Same ist eiweisslos, vierlappig, mit unregelmässig zusammengefalteten Keimblättern.

Gattung 204: Juglans L., Walnuss. XXI. 5.

Die einzige Art Deutschlands ist die Walnuss oder Wälsche Nuss, Juglans regia L. Blütezeit Mai. Sie ist aus dem Oriente zu uns gekommen und wird ihrer wohlschmeckenden, ölreichen Nüsse halber vielfach kultiviert. Während sie in Südeuropa oft waldähnliche Bestände bildet, gehen in Deutschland grössere Kulturen kaum über Mosel und Main hinaus. Das Holz ist sehr wertvoll; die aromatisch riechenden, bitter und herbe schmeckenden Blätter, sowie die äussere Schale der fast reifen Früchte sind offizinell.

Tafel 166. A blühender Zweig, der unten 2 gi-osse männhche Blüten- kätzchen und an der Spitze seines Maitriebes weibhche Blüten trägt; B Blatt- zweig mit 3 weiblichen Blüten; 1 männliche Blüte von der Seite; 2 dieselbe von vorne gesehen; 3a und 3b Staubbeutel; 4 weibhche Blüte; 5 Scheinfrucht; 6 die eigenthche Frucht. 1 bis 4 vergrössert.

38. Familie: Myricaceae, Gagelgewächse.

Sträucher mit einfachen, nebenblattlosen Blättern. Ihre Blüten sind zweihäusig, stehen in Kätzchen beisammen und werden von je einem Deck- blatte gestützt. Die mäimliche Blüte besteht aus 2 bis 5 Staubblättern (Tafel 167, Fig. 1 u. 2); die weiblichen aus 2 bis 6 in der Achsel eines Deckblattes sitzenden imterständigen Schüppchen und einem einfächerigen, einsamigen, zweinarbigen Fruchtknoten (Tafel 167, Fig. 4 u. 5). Die Frucht wird durch die vergrösserten und an sie angewachsenen Schuppen stein- fruchtartig (Tafel 167, Fig. 6).

Gattung 205: Myrica L., Gagel. XXE. 4.

Bei uns nur Myrica Gale L., der Gagel. Blütezeit April, Mai. Stengel, Blätter und Blüten sind mit gelben Harzpünktchen besetzt und haben in folge davon einen stark aromatischen Geruch. Ein in Waldsümpfen und

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Torfbrüchen Norddeutschlands, ja ganz Nordeuropas, liäufiger, in Mittel- deutschland fehlender, in Süddeuischland seltener Strauch.

Tafel 167. Myrica Gale. A Zweig einer männlichen Pflanze mit 3 Blüten- kätzchen; B weiblicher Blütenzweig, a kahl gewordene Spindeln der vorjährigen Fruchtkätzchen; C Fruchtzweig; 1 und 2 männliche Blüten von vorne und von der Seite; 3 weibliches Blütenkätzchen; 4 weibliche Blüte von vorne (vorne in der Mitte steht das Deckblatt); 5 dieselbe der Länge nach durchschnitten; 6 die durch die vergrösserten und an sie angewachsenen Blütenschuppen stein- fruchtartig gewordene Frucht (Scheinfrucht). 1 bis 6 vergrössert.

39. Familie: Sallcaceae, AVeidengewächse.

Bäume oder Sträucher mit abwechselnden, einfachen Blättern und freien, schuppenförmigen, hinfalligen oder aber laubartigen und dann häufig stehenbleibenden Nebenblättern. Die Blüten stehen immer in Kätzchen; bei den Weiden hat jede an ihrem Grunde anstatt der Blütenhülle eine oder zwei (selten mehr) kleine, honigabsondernde Schuppen oder Nektarien Tafel 168, Fig. 1 u. 2); bei den Pappeln ist das honigabsondemde Nekta- riimi dagegen fleiscliig, schüssel- oder becherförmig (Tafel 177, Fig. 1 u. 2). Die männlichen Blüten bestehen aus 2 bis 30 freien oder mit ihren Fäden in ein Bündel verwachsenen Staubblättern (Tafel 168 u. 170, Fig 1), die Stempelblüten aus einem freien, aus 2 Fruchtblättern gebildeten Stempel, mit 2, häufig gespaltenen Narben (Tafel 168 u. 177, Fig. 2). Der vier- fächerig Fruchtknoten enthält viele, an 2 wandständigen Samenträgern be- festigt hängende Samenknospen. Die Frucht ist eine zweiklappige Kapsel, deren Samen klein, aufrecht, eiweisslos und mit einem am Grunde zusammen- hangenden, aus feinen seidenglänzenden Fäden gebildeten Haarschopf ver- sehen sind (Tafel 171a u. 177).

Gattungen.

1. Deckblätter der Blüten ganz; Nektarien schuppenförmig; Knospen von einem einzigen Deckblatte eingehüllt (Tafel 168 bis 175). Gattung 206: Salix L., Weide.

2. Deckblätter der Blüten gezähnt oder zerschlitzt; Nektarien schüssel- oder becherartig; Knospen von mehreren spiralig angeordneten Deckblättern imihüllt (Tafel 176 u. 177). Gattung 207: Populns L., Pappel.

Gattung 206: Salix L., Weide.

Linne nannte die Weiden das Kreuz und den Arger der Botaniker, und sie sind dies namentlich infolge der zahlreichen, zwischen den einzelnen Arten auftretenden Bastarde. Von diesen wurden die meisten früher als besondere Arten angesehen und demgemäss besonders benannt, bis ihre wahre Natur von Wimmer erkannt und von Wichura durch Kulturversuche bestätigt wurde.

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Zahlreiche Arten erhielten von verschiedenen Forschern verschiedene Namen, und andererseits wurde ein und derselbe Name mehrfach ganz verschiedenen Pflanzen beigelegt. Hier sollen nur die allgemein anerkannten Arten nebst den Hauptbastarden angeführt werden.

Bei der grossen Ausdehnung, welche die Kultur der Weiden erlangt hat, zeigen dieselben vielfach eine ganz andere Wachstumsform, als ihnen von Natur zukommt: namentlich erscheinen baumartige als astlose, am oberen Ende mit einem Büschel dünner Ruten versehene, dicke Stämme, Kopfweiden, oder gar als Sträucher; wenn aber in folgendem Angaben über Gi'össe und Tracht der Weiden gegeben sind, dann ist dadurch, wenn nicht ausdrücklich anders be- merkt wurde, stets die naturgemässe Entwicklungsform gekennzeichnet.

Bei der Bestimmung der Weiden ist folgendes zu beachten:

1. Das Längenverhältnis des Nektariams zum Stiele des Fruchtknotens ist fest- zustellen, wenn das Kätzchen sich iu voller Blüte befindet, da der Frucht- knotenstiel nachher meist bedeutend wächst.

2. Blüten und ausgewachsene Blätter sind in der Regel nur ungleichzeitig zu erlangen; sie müssen aber von ein und demselben Exemplare genommen werden.

3. Die Blätter der bald besonders dünnen, bald besonders mastigen, sogenannten Wassertriebe weichen vielfach von denen der andern Triebe ab und sind niemals zur Bestimmung zu verwenden.

4. Breitblätterige Exemplare haben meist gedrungene Kätzchen, sowie kurze Staubblätter und Stempel; schmalblätterige hingegen besitzen längere und und schlaffere Kätzchen, sowie längere Staubblätter und Stempel.

Man teilt die Weiden zunächst in 3 Untergattungen mit 14 Stämmen ein:

I. Untergattung: Mehrmännige (Pleiandrae) mit 2, 3 oder mehr, nicht miteinander verwachsenen Staubblättern. Die Deckblättchen der Blüten sind einfarbig, d. li. an ihrer Spitze nicht anders gefärbt als an ihrem Grunde.

a. Die Blütendeckblätter der weiblichen Kätzchen fallen bereits vor der Fruchtreife ab.

1. Kapseln gi-ünlich, ungestielt; die jnngen Zweige brechen an ihrem Grunde leicht ab; öfters mit 2 Staubblättern (Tafel 168).

1. Stamm: Fragiles, Bruch weiden.

2. Kapseln thonfarbig, gestielt; Zweige zähe, glänzend; Blätter in der Jugend klebrig; 4 bis 12 Staubblätter.

2. Stamm: Lucidae, Glauzweiden.

b. Die Deckblätter der weiblichen Blütchen bleiben bis zur Fruchtreife stehen; Kapseln sehr lang gestielt, braunrötlich (Tafel 169).

3. Stamm: Amygdalinae, Mandel weiden.

U. Untergattung: Verwachsenmännige (Synandrae). Die 2 Staubfäden

sind an ihrem Grunde oder auch ganz miteinander verwachsen (Tafel 170,

Fig. 1); die Deckblättchen der Blüten sind an ihrer Spitze andersfarbig

als am Grunde.

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1. Blätter auf der Oberseite mattgrün, auf der Unterseite weiss-graufilzig; Kapseln gestielt,

4. Stamm: Ineaiiae, Graue Weiden.

2. Blätter bläulich-grün; Kapseln sitzend, seidenhaarig; die Staubbeutel sind anfangs purpurn, fiirben sich aber nach dem Verstäuben schwarz (Taf. 170).

5. Stamm: Purpnreae, Pnrpurvveiden. III. Untergattung: Zweimännige (I)iandrae) mit 2 nicht mit einander ver- wachsenen Staubblättern; die Deckblättchen der Blüten sind an der Spitze andersfarbig als am Grunde; die Deckblättchen der weiblichen Blüten sind nicht abfällig, d. h. sie bleiben bis zur Fruchtreife stehen.

A. Die Kätzchen stehen auf den Spitzen der Zweige (Tafel 175).

14. Stamm: Glaciales, Oletscherweiden.

B. Die Kätzchen entspringen an den Seiten der Zweige.

a. Die in der Jugend grünen, später dunkel rotbraunen Zweige sind mit einem abwischbaren blaugrünen Reif belegt.

6. Stamm: Priiiiiosae, Schimmelweiden. ß. Die Zweige sind nicht, wie bei «, bereift.

Ä. Die Fruchtkätzchen sind ungestielt. Die Kapseln sind unge- stielt oder ihr Stielchen ist doch nicht länger als das Nekta- rium (Tafel 171).

7. Stamm: Viminales, Korb- oder Hanfweiden. B. Die weiblichen Kätzchen sind anfangs oft ungestielt, zur Zeit der Fruchtreife aber stets gestielt. Die Stielchen der Kapseln sind wenigstens doppelt so lang als das Nektarium.

a. Bäume oder hochwüchsige, nicht kriechende Sträucher.

a. Der Griffel fehlt oder ist kurz; die Blätter sind auf ihrer Unterseite graufilzig (Tafel 171 a).

8. Stamm: Capreae, Salweiden.

b. Der Griffel ist verlängert; die Blätter sind beiderseits grün, auf ihrer Unterseite nicht graufilzig.

aa. Die Blätter werden beim Welken rotbraun; Kapseln kahl; Kätzchen an einem beblätterten Stiele; Alpen- pflanzen mit knorrigen Asten (Tafel 172).

9. Stamm: Hastatae, Spiessblätterige Weiden.

bb. Die Blätter werden beim Welken schwarz; Kapseln meist seidenhaarig; hohe Sträucher (Tafel 173). 10. Stamm: Nigricantes, Schwarzwerdende Weiden.

b. Am Boden kriechende Sträucher oder zwerghafte Alpen- sträucher.

a. Stiel der Kapsel länger als die halbe, mitunter länger als die ganze Kapsel.

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aa. Blätter zart blangrün, meist ganz kahl, die jüngeren rötlich durchscheinend (Tafel 174). 1 1. Stamm : Myrtilloides, Heidelbeevblätterige Weiden.

bb. Blätter schmutzig grün, unterseits silberweiss- oder grau -filzig, beim Welken schwarz werdend.

12. Stamm: Kepentes, Kriechende Weiden.

b. Stiel der Kapsel meist sehr kurz, nie länger als ^/g bis

\^ der Kapsel. 13. Stamm: Fri^idae, Alpenweiden.

Bei dem grossen und mannigfachen Nutzen, den uns die Weiden gewähren, dürfte es angemessen sein, darüber vorab im Zusammenhange zu berichten. Nach amtlichen Ermittelungen über die Bodenbenutzung gab es im Jahre 1883 in Preussen 28 G57 Hektar Weidenheeger; gleichwohl sind in demselben Jahre, ganz abgesehen von der grossen Menge der zahlreichen eingeführten Weiden- waren, in Deutschland über 31 000 Zentner Weiden mehr ein- als ausgefühi't worden. Für feinere Flechtwaren sind in Deutschland die Mandel-, die Purpur- und die Hanfweide, für Keifenstilbe, Band- und Bügelstöcke die Bach- and die Sandweide, für unabgerindete Waren namentlich die gewöhnliche Korbweide mit zahlreichen Abarten als besonders geeignet befunden worden. Dazu haben ge- rade diejenigen Weiden, welche als sogenannte Korbweiden keinen oder nur ge- ringen Nutzen bringen, in anderer Weise um so grösseren Wert. Das Holz der Weissen Weide ist leicht, nicht rissig und vorzugsweisse zu Kähnen und ähn- lichen Geräten brauchbar; jenes der Salweide dient zur Anfertigung von Schach- teln, Sieben u. s. w.; das der gewöhnlichen Bruchweide kann man als Bauholz im Innern der Gebäude sehr gut benutzen und jenes der Dotterweide leicht mit mehreren Farben beizen und lackieren. Mit der Rinde der Weissen, der Dotter-, der Sab und der Kussels-Weide gerbt man das Leder zu dänischen Handschuhen. Die Rinde der Weissen Weide giebt einen zimmetbraunen Lack zum Malen. Die Blätter der Lorberweide färben gelb, und die mit Erlenrinde vermischte Rinde der Salweide eignet sich vorzüglich zum Schwarzfärben von Leinen und Baumwolle. Die Rinde der Weissen Weide giebt der Seide und Wolle Zimmet- farbe. Die im August geschnittenen Zweige der Weissen, der Dotter- und der Lorberweide liefern gutes Winterfutter für die Schafe. Die Rinde der Weissen und der Fünfmännnigen Weide, desgleichen die der Bruchweide, besonders aber die der Purpurweide liefern das Salicin. Die Kohlen des Holzes der Salweide werden bei der Fabrikation des Schiesspulvers und als Reisskohle zum Zeichnen verwendet. Aus Weidenbast werden die bekannten italienischen Sommerhüte, die französischen Matten und die russischen Bastschuhe gefertigt; dafür gehen Tausende ausser Landes und doch ist unser Weidenbast eben so trefflich. Die männlichen Blüten vieler Weiden geben in der Regel den Bienen das erste Futter und viel Honig. Wichtig zur Befestigung von ufern sind besonders Mandel-, Purpur- und Salweide; zu Uferbauten, Faschinen und Fischreusen dient namentlich die Hanfweide; andere Weiden werden zu Heckenanlagen und zur Befestigung von Eisenbahndämmen verwendet. Sandplätze und Dünen, oft unabsehbare Flächen, deren Boden aus feinkörnigem Sande besteht, welcher keine oder nur wenige Pflanzen trägt und bei trockener Witterung vom Winde bin und her geweht wird, können fast nur durch Hanf- und Dünenweiden festgelegt und kulturfähig gemacht werden, namentlich auch in den Fällen, wo Kiefern

Thomö, Flora H. 3

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und Straudgräser sich als unwirksam ei'wiesen haben: das filzige Wurzelwerk